Historie

y5m         dhs

 

ES Glowe mit den vielen Masten in den 50igern

 

Küstenfunkstelle Rügen Radio

 

In Glowe (und Lohme, ca. 10 km östlich von Glowe) gab es eine für die Seeschifffahrt und Hochseefischerei der DDR wichtige Einrichtung, eine Küstenfunkstelle. Nach ihrem Standort hieß sie Rügen Radio, so wie eine der Küstenfunkstellen in den alten Bundesländern nach ihrem Standort Norddeich Radio hieß.

Wir erzählen hier die Geschichte der Küstenfunkstelle Rügen Radio und für interessierte Nicht-Fachleute informieren wir außerdem in dem Beitrag "Küstenfunkstellen - Wie das funktioniert (hat)" darüber, wie so etwas technisch und organisatorisch gemacht wurde. "Wurde" deshalb, weil es heute in Deutschland keine Küstenfunkstellen dieser Art mehr gibt. Die Schiffe benutzen für ihren Fernmeldeverkehr in Küstennähe die Mobilfunknetze, bei größeren Entfernungen zur Küste das INMARSAT-Satellitensystem und die Sicherheit der Schifffahrt beruht u.a. auf dem computergestützten GMDSS-System.

Dieser Text basiert u.a. auf einer Arbeit, die Frau Irmgard Fritzsche, Glowe, (unsere Glower Schriftstellerin) im Oktober 1989 aus Anlaß des 40jährigen Bestehens der Küstenfunkstelle Rügen Radio unter Verwendung von Unterlagen des Funkamtes Rügen Radio geschrieben hat. Wir haben bewusst einige Textteile in dem Stil belassen, in dem so etwas damals dargestellt wurde.
 

Hier vorab eine Zeittabelle:

1. 11.9.1911 Inbetriebnahme der Küstenfunkstelle Swinemünde.
2. 1932 Verlegung nach Rügen als Küstenfunkstelle "Rügen Radio".
3. Mai 1945 Rügen Radio gesprengt.
4. 22.9.1949 Am Standort Lohme wiedereröffnet.
5. 1951 Glowe wieder Standort der Empfangsstelle, Lohme weiter   Sendestelle.
6. 1953 Aussendung Schiffspresse.
7. 1957 Morseverkehr auch auf Kurzwelle.
8. 1958 Erste Verbindung im Kurzwellen-Sprechfunk.
9. 1963 UKW-Küstenfunkstelle Rostock Radio in Betrieb genommen.
10.1964 Rügen Radio versorgt ca. 480 Schiffe der DDR
11.1967 Inzwischen sind es ca. 560 Schiffe, erstmals regelmäßige Verbindung mit Schiffen im Pazifik.
12.1968 Beim Havariefall TVS "Junge Garde" erfolgreich mitgewirkt
13.1971 UKW-Küstenfunkstelle Wismar Radio in Betrieb genommen.
14.1972 Nunmehr 600 Schiffe der DDR in Kontakt mit Rügen Radio.
15. Einseitenbandtelefonie auf Kurzwelle eingeführt Fernempfang.
mit V-Antennenstern wesentlich verbessert.
16.1977 Versorgung der Hochseefischerei bis in antarktische Gewässer.
17.1979 Rügen Radio erhält neues Rufzeichen Y5M
18.1978/79 Während der Schneekatastrophe fliegen Hubschrauber Diesel für die Sendestelle Lohme ein.
19.Ende 80er Jahre Rügen Radio versorgt ca. 700 DDR-Schiffe.
20.1990 Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland, Rügen Radio nunmehr eine von vier Küstenfunkstellen der Deutschen Telekom.
21.1994 Einstellung Kurzwellenverkehr.
22.1996 Betriebszentrale für deutschen UKW-Küstenfunk Ostsee.
23.1998 Rügen Radio abgeschaltet +

 

Entwicklung der Küstenfunkstelle Rügen Radio vor 1945:


Durch das stetige Anwachsen der Seeschiffahrt in den Anfangsjahren unseres Jahrhunderts wurde auch eine funktechnische Betreuung der Schiffe in der Ostsee dringend erforderlich. Hauptaufgabe sollen Funkwache und Funkverkehr zur Sicherung des menschlichen Lebens auf See sein.

Am 11. September 1911 wird deshalb in Swinemünde eine Küstenfunkstelle in Betrieb genommen. Sie wird "Küstenfunkstelle Swinemünde" (gleichzeitig der Name für den Anruf im Sprechfunkverkehr) benannt und als Rufzeichen (internationales Unterscheidungssignal und sozusagen als "Kurzname" im Morse-Funkverkehr) werden ihr die Buchstaben DAS zugewiesen.

Die technische Ausrüstung ist den damaligen Verhältnissen entsprechend ausreichend.

Um 1930 wurde die Errichtung einer leistungsfähigeren Küstenfunkstelle erforderlich. Bei dieser Gelegenheit wurde die Standortänderung vorgenommen, um mit der Küstenfunkstelle mehr in das Zentrum des zu versorgenden Seegebietes zu kommen. Dafür war ein Standort im Norden der Insel Rügen günstig. Feldstärkemessungen ergaben, dass die günstigsten Punkte für die Errichtung einer Funkempfangsstelle der Ort Glowe am Anfang der Schaabe und für die Errichtung der Funksendestelle der in östlicher Richtung 10 km entfernt liegende Ort Lohme auf der Halbinsel Jasmund sind.
 
Dazu ist zu bemerken, dass damals an Funkverkehr auf Mittelwelle und auf Grenzwelle gedacht war. Das reichte aus, um die Schiffahrt im Gebiet der Mittleren und Südlichen Ostsee zu versorgen. Für weiter entfernte Seegebiete waren andere Küstenfunkstellen zuständig. Und die Kurzwelle für die Überbrückung großer Entfernungen begann man in jeden Jahren gerade zu erschließen.

Warum man Empfangs- und Sendestelle an getrennten Orten errichten muß - das erklären wir im o.g. Beitrag "Wie das funktioniert (hat)". Und dort werden wir auch erläutern, warum die Wahl von Lohme mit einer Sendestelle hoch oben auf den Kreidefelsen für den späteren Kurzwellenverkehr von Rügen Radio ein ausgesprochener Missgriff war.
 

Nun erst einmal zurück in die Jahre 1930...32:

 

Für die Errichtung der beiden Dienststellen in Glowe und Lohme wird der Ankauf von je 3 ha Land erforderlich. Verhandlungen mit der damaligen fürstlichen Güterverwaltung in Putbus führen zum Ankauf der erforderlichen Flächen in Glowe und Lohme.

Die Funkempfangsstelle wird ca. 400 m vor dem östlichen Ortseingang von Glowe errichtet. Die Funksendestelle wird auf dem südlich von Lohme liegenden Hügen, dem "Teufelsberg", erbaut.
 
Die neuerrichtete Küstenfunkstelle erhält die Bezeichnung "Küstenfunkstelle Rügen Radio", behält aber als "Andenken" an den bisherigen Standort Swinemünde das Rufzeichen DAS. Im Jahre 1932 werden Personal und technische Einrichtungen von Swinemünde zu den neuen Standorten auf Rügen verlegt.

Im Verlauf des 2. Weltkrieges wird Rügen Radio in das Funkwesen der Kriegsmarine integriert. U.a. wird berichtet, dass von Glowe aus Funkaufklärung (Abhören und Entschlüsseln gegnerischer Funkverbindungen) in Richtung Nordatlantik erfolgt sei.
 
1945 wird der Betrieb eingestellt. Zwei Tage vor dem Eintreffen der Roten Armee wird Rügen Radio gesprengt. Übrig blieb nur ein Wohnhaus direkt an der Straße.
 

Entwicklung der Küstenfunkstelle nach 1945:

Im Zuge des Aufbaus der volkseigenen Fischwirtschaft entsteht in Sassnitz auf Rügen eine Kutterflotte. Zur Lenkung derselben und zur Betreuung der Menschen auf See kann man auf eine funktechnische Nachrichtenübermittlung nicht verzichten. Das Fischkombinat nimmt deshalb Ende 1948 Verhandlungen mit der damaligen Hauptverwaltung Funkwesen auf. Diese erklärt sich bereit, eine Küstenfunkstelle zu errichten.

Der Wiederaufbau der zerstörten Küstenfunkstelle erfolgte unter Leitung der Oberpostdirektion Schwerin durch das Telegrafenbauamt Stralsund. Sie nahm am 22. September 1949 um 03.00 Uhr morgens zunächst von Lohme aus den Telefonie-Funkverkehr mit den ersten beiden Kuttern der Fischfangflotte Sassnitz auf.

Das Rufzeichen der neuen Küstenfunkstelle wurde DHS.

Das Anwachsen der Hochseefischereiflotte der DDR, die Ausdehnung der Fanggebiete bis zur Nordsee, später bis zum Nordmeer und zur Barentssee, erfordern eine Erweiterung der technischen Anlagen von Rügen Radio sowie die räumliche Trennung der Funksende- und Funkempfangsstelle, um den Empfang der Signale der leistungsschwachen Schiffssender nicht durch die eigene starke Aussendung zu beeinträchtigen.

Die Sendestelle verbleibt in Lohme, während die Empfangsstelle in Glowe zunächst in einigen Räumen eines Wohnhauses untergebracht wird.

(Später war es dann wieder ein Schlafzimmer, in dem vorher der Funkverkehr abgewickelt wurde. Der Kollege, der dort wohnte, erhielt mannigfaltige Hinweise, dass in dem Zimmer der (Funk-)Verkehr schon immer schwierig gewesen sei.)

Das Gebäude der Funkempfangsstelle wurde in Anlehnung an den alten Stil wiedererrichtet und 1953 in Betrieb genommen.

Zur aktuellen Information der Seeleute wurde 1953 mit der Aussendung einer Schiffspresse begonnen. Sie "erschien" täglich mit Neuestem aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport. In der Ferne hatten diese Neuigkeiten aus der Heimat einen hohen Stellenwert bei den Besatzungen.

Die Aufnahme der in Morse ausgesendeten Schiffspresse dauerte eine knappe Stunde mit zwei kurzen Pausen. Sie stellte sehr hohe Anforderungen an die Funkoffiziere an Bord der DDR-Schiffe, weil das Sendetempo recht hoch war (ca. 120 Zeichen pro Minute) und die Aussendung an fernen Standorten z.T. nur sehr leise und mit Störungen durch andere Funkstationen zu hören war.

Die allgemeine rasche Entwicklung der Volkswirtschaft in den Jahren 1955-61 ist auch in der Seeverkehrswirtschaft und in der Hochseefischerei wirksam. Die Werften werden z.T. erweitert und im Rahmen der "Steckenpferdbewegung" wird Gebrauchttonnage angekauft, um den Seetransport mit eigenen Schiffen realisieren zu können.
 

Erläuterung:

Es war über Jahrzehnte nicht recht klar, welchen Umfang die Handels- und Fischereiflotte der DDR erreichen sollte. Die Küstenfunkstelle, die diese Flotte versorgen soll, müsste aber die notwendigen Spezialisten (einen Funker auszubilden z.B. dauert ca 1 ½ bis 2 Jahre) und technischen Einrichtungen schon haben, bevor die angedachte Flottengröße erreicht ist.
 
Damals (sicher nicht ohne Einfluß aus Berlin) verpflichtete sich überraschend die Belegschaft der Waschmittelfabrik "Steckenpferd", den Plan erheblich überzuerfüllen und von dem ungeplanten Gewinn sollte dann Gebrauchttonnage gekauft werden. Und so ungeplant kam dann das Motorschiff "Steckenpferd" und etliche weitere Schiffe und die Küstenfunkstelle Rügen Radio kam in die Zwangslage, in der sie mit kurzen Unterbrechungen bis zum Ende der DDR blieb:

 

"Laßt Euch was einfallen, die Flotte muß versorgt werden."

Man  ließ sich was einfallen, die Flotte wurde versorgt.  Nicht immer ganz vorzüglich,  oft nicht auf  dem Niveau, das  dem weltweiten Stand der Technik entsprach, aber die Verbindung zu Heimat war immer da. Und die  Küstenfunkstelle Rügen Radio  war in ihrem  technischen Bestand zum erheblichen Teil das Werk von Tüftlern und Bastlern.

Nach der Überraschung durch die o.g. Erweiterung der Flotte  wurden Baumaßnahmen in Angriff genommen und ab 1957 die  Kapazitäten von Rügen Radio  erweitert. In der Funksendestelle Lohme wurden weitere Sender installiert und in Glowe ein Ostflügel an  das vorhandene Betriebsgebäude  (3½ -stöckiges Zentralgebäude  mit Westflügel) angebaut.

Die Entwicklung in dieser  Zeit steht vor  allem im Zeichen  des ständig zunehmenden Kurzwellenverkehrs (Weitverbindungen  über  Ostsee  und Nordsee  hinaus),  des zahlenmäßigen Anwachsens der  Flotte, der  Erweiterung  der Fanggebiete  der Hochseefischerei  und der Ausdehnung der  Handelsrouten.

Davor  in  den ersten Jahren der DDR-Schifffahrt wurden ausschließlich die  Ostsee, die Nordsee und nahe   Teile   des   Atlantik  befahren.

Ab   1957/58   stellt  Rügen  Radio Nachrichtenverbindungen zu Schiffen der DDR auf  allen Weltmeeren her.
Ab 1958 werden die  ersten  Seefunkgespräche  im  Kurzwellenbereich durchgeführt.

Die ständige Erweiterung der Handelsflotte und der Ausbau der Fischereiflotte  macht die Schaffung  neuer  Funker-Arbeitsplätze  bei  Rügen  Radio  erforderlich.

 

Erläuterung:

Funker-Arbeitsplatz, das ist in diesem Zusammenhang der Tisch, an dem der Funker sitzt und auf dem er seine Schreibmaschine stehen hat, auf dem der Empfänger steht, der Funker unterschiedliche  Rundum- und Richtantennen  an den Empfänger schalten kann und von wo er mit Morsetaste oder Mikrofon über  das Kabel zur  Sendestelle den  Sender  mit seinen Mitteilungen an die Schiffe modulieren kann. Selbstverständlich bedeutet  jeder Arbeitsplatz im o.g.  Sinne, dass je nach der vorgesehenen  Besetzung des Platzes (H24 -  d.h. ununterbrochen Tag und Nacht an 365 Tagen im Jahr oder z.B. nur wochentags von 07.00 bis 20.00 Uhr) auch eine bestimmte Anzahl von Arbeitsplätzen im arbeitsrechtlichen Sinne.

Das wachsende Verkehrsangebot mit  ausgeprägten jahreszeitlichen und täglichen Spitzenzeiten  bei fast ständig nachhängender  Kapazitätserweiterung erfordert zudem ein ständiges Beschäftigen mit der Betriebsorganisation.

Um die Arbeit im Nahbereich  zu verbessern und mit  der internationalen  Entwicklung Schritt zu halten, wird im  Mai 1963  die UKW-Küstenfunkstelle Rostock Radio  in Betrieb genommen.

Mit der  zunehmenden Ausrüstung aller  Seefunkstellen (das ist die im Zusammenhang des Seefunkdienstes übliche  Bezeichnung für ein Schiff)  mit UKW -Funkanlagen  gewinnt  das  immer  mehr   an  Bedeutung,   vor   allem zur Sprechfunkversorgung des Hafens Rostock und seines Vorfeldes.

Ende 1964 sind es rund 480 Seefunkstellen der DDR, die über Rügen Radio mit der Heimat Verbindung haben.  Der Funkverkehr mit ausländischen  Schiffen zeigt  ebenfalls steigende Tendenz, so daß die Arbeit von Rügen Radio auch zur Festigung des politischen Ansehens der DDR bei allen  seefahrenden Nationen beiträgt.

Die Entwicklung  der Handels- und Fischereiflotte der DDR  und das verstärkte Anlaufen unserer  Häfen durch fremde Schiffe  macht eine erneute  Erweiterung der  technischen und betrieblichen Anlagen der Küstenfunkstelle notwendig. Die  Erweiterungsmaßnahmen werden vorwiegend 1965 und 1966 realisiert. Eine Erweiterung der Aufgaben kommt auf Rügen Radio  zu, als durch den Nahostkrieg der  Suezkanal geschlossen wird. Die weiteren Seewege um das Kap der Guten Hoffnung und durch den  Panamakanal werden aktuell und müssen funkmäßig sichergestellt werden.

Im Jahr 1967 muß der Funkverkehr mit ungefähr 560 Schiffen der DDR abgewickelt werden. Durch die sich ständig erweiternden Handelsbeziehungen werden  auch  die Fahrtrelationen der Schiffe der Deutschen Seereederei größer. Die Fruchtschiffe (Bananentransporter) "Theodor Fontane" und "Theodor Storm"  durchfahren als erste DDR-Schiffe  den Panamakanal und  überqueren  den Pazifik.  Sie sind im Liniendienst  zwischen Ekuador und Japan eingesetzt.

Auch die bisher vorwiegend aufgesuchten Fangplätze der Hochseefischerei lassen in ihrer Ergiebigkeit nach. Das Forschungsschiff des Institutes für Hochseefischerei "Ernst  Häckel" unternimmt  Forschungsreisen an die Ostküste von Südamerika und in die Walvis-Bay.

Bei Rügen Radio werden  neue Arbeitstechnologien eingeführt,  um die  Verkehrsmöglichkeiten mit  solchen weit entfernten Schiffen zu verbessern. Zum Beispiel wird ab 1968 ein Dispatcherplatz für Kurzwellen-Telegrafie eingerichtet, um den Fernverkehr effektiver  abwickeln zu können.

Im Teil "Küstenfunkstellen -  Wie das funktioniert  (hat)" versuchen wir, das  auch für  den Nichtfachmann verständlich zu  erläutern. Ein  Beispiel dafür, wie Rügen Radio  helfen konnte, menschliches Leben und Werte auf See  zu erhalten:

Am 9.3.1968  kommen einige Fahrzeuge des Fischkombinates Rostock  auf dem  Fangplatz Labrador  in eine bedrohliche Situation. Sie sind im Treibeis eingeschlossen und nicht mehr fähig, sich selbst zu befreien. Darunter ist auch das Transport- und  Verarbeitungsschiff   (TVS) "Junge Garde". 
Durch  eine Eispressung   wird  der  Schiffskörper  schwer  beschädigt.  Es   kommt zum Wassereinbruch und die Stromversorgung des gesamten Schiffes fällt  aus ("Black out"). Die "Junge Garde"  treibt nun mit Schlagseite  und bedarf der Hilfe. Dem Schwesterschiff "Junge Welt" gelingt es schließlich in einer  aufopferungsvollen Rettungsaktion, die Eisbarriere aufzubrechen und die eingeschlossenen Schiffe zu befreien.

 

Rügen Radio hält während der gesamten Zeit der Rettungsmaßnahmen eine stabile Funkverbindung mit der "Jungen  Welt", von der aus die  Rettungsarbeiten am Fangplatz geleitet werden. Eine  Dauerverbindung mit einem Schiff auf fernem Standort zu halten, war im herkömmlichen Seefunkdienst nicht üblich,  fast nie notwendig und oft auch nicht möglich. Unter anderem deshalb war das auch für die Mitarbeiter  der  Küstenfunkstelle   eine   Zeit  angespannter,    besonders verantwortungsvoller Arbeit.

Das  Fischkombinat Rostock hatte durch  die gute Arbeit von Rügen Radio ständige Verbindung zu den Havaristen und  Hilfsschiffen, erhielt  die  notwendigen Informationen und  konnte unterstützende Anweisungen geben. Zur Überraschung der Mitarbeiter  von Rügen Radio, die nach Havarien auf See und  eigenen hohen  Anstrengungen auch schon  anderes (nicht mit  dem Fischkombinat Rostock) erlebt hatten, bedankte sich  das Fischkombinat Rostock mit einer  Prämie für  das Kollektiv.

Durch  gemeinsame  Anstrengungen war es gelungen, die eingeschlossenen Trawler und das  TVS "Junge Garde" vor größeren Schäden oder Verlust zu bewahren.

Selbstverständlich waren es vor allem  die menschlichen  und seemännischen  Qualitäten  der Hochseefischer am Fangplatz Labrador, durch die die Situation ohne Schaden für Menschen und mit (gemessen an der Größe der Gefahr)  relativ geringen  materiellen Schäden  gemeistert wurde.

Rügen Radio hat  dazu nicht  den größten,  aber einen  unverzichtbaren Beitrag geleistet. Die Haltung, von der Unverzichtbarkeit des eigenen Beitrags zu wissen und bereit zu sein, ihn trotz  mancher materieller Schwierigkeiten  zu leisten, war auf der Küstenfunkstelle der Rügen Radio immer wieder notwendig, damit  auch alles  Machbare getan  wurde, sowohl  in Ausnahmesituationen  als auch  für die alltäglichen  (für die Seeleute und  ihre Angehörigen  jedoch  sehr wichtigen) Seefunk-Telegramme und -Gespräche. 

Nicht nur  im o.g. Fall, auch bei vielen anderen Gefahrensituationen, bei  Suche und  Rettung auf  See setzten  die Mitarbeiter  des Funkamtes  Rügen  Radio ihr  fachliches Können und  ihre Zuverlässigkeit als Beitrag zum Erfolg ein. Hier eine Episode aus dem Gedächtnis des Verfassers, Schiffsnamen sind geändert, Zeiten stimmen nicht  genau, Ablauf jedoch wie hier beschrieben: 

Es war weit vor der Zeit, als man  via Satelliten-Verbindung jedes Schiff zu beliebiger Zeit anwählen konnte. Die Initiative  zur Verbindungsaufnahme zwischen Schiff und  Küstenfunkstelle ging immer vom  Schiff aus. Wollte man  etwas von einem Schiff wissen, mußte man warten, bis  es sich meldete. Morgens 08.00 Uhr ein Anruf vom Fischkombinat:

 

"Die Nachrichtenagentur XYZ berichtet, daß unser Schiff "Anna" gesunken ist. "Anna"  fischt an der südwestafrikanischen Küste. Wißt Ihr was?"

Wir wissen nichts, versprechen aber, bei  der Klärung  der Lage zu helfen.  Es  wäre  aber  auch  nicht die erste Falschmeldung mit solchem Inhalt. 

Durchsicht der Funktagebücher ergibt:  "Anna" war gestern Abend da und hat Telegramme ‚gebracht'. Dann meldet sie sich kaum vor heute Abend wieder bei uns, wenn sie nicht wirklich gesunken ist.  Üble Situation! Bis abends auf Gewißheit  warten? Funker  H. hat  eine Idee: 

Mehr zufällig  hat er mal gehört,  daß die am Fangplatz Südwestafrika  fischenden Fahrzeuge um 10.00  Uhr auf einer  gemeinsamen Frequenz miteinander "reden" (übrigens in Morse, aber das ist für Funker wie richtige Sprache und solch eine verabredete Runde nannte man "Programmzeit"). Auf der Frequenz dürfen aber nur Fischer senden. -  Keine Panik, Freunde,  dies ist eine der leichteren Übungen.

Der nächste Fischer ("Berta"), der sich bei Rügen Radio meldet, ist zwar auf dem Weg  zum Fangplatz Nordatlantik, wird aber gebeten,  in die  Programmzeit der Südwestafrika-Fahrzeuge einzusteigen und die "Anna" aufzufordern, sich dringlich bei Rügen Radio zu  melden. Na klar, das  macht er doch. Aber  warum eigentlich? Wir erklären es  ihm. Natürlich  stellen wir  einen unserer Empfänger auf  die Frequenz der  Westafrika-Programmzeit. Mithören  dürfen wir  ja, nur nicht dort senden. Wir hören einige der Seefunkstellen vor Südwestafrika, von "Anna" erst mal nichts zu hören, dann steigt unser Freund "Berta" ein:

---
"Hört ihr mich?  Hier ist ‚Berta'."
"Was willst denn du hier, gehst du nicht in den Nordatlantik?"
"Ja doch,  aber Rügen  Radio braucht dringend die "Anna", hört die mich?"
"Hier "Anna",  weißt du, was Rügen  Radio von mir will?"
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(Bei Rügen Radio je nach Temperament: "Sag ich doch, Ente." bis zum Aufschrei: "Es gibt sie noch!")  "Ja, ihr sollt gesunken sein." "Unfug, uns gehts gut. Ok, ich geh sofort zu Rügen Radio." Und da kam sein Anruf dann auch an, Befragung ergab, daß außer ‚Wetter könnte besser sein'  nichts gewesen war,  Fischkombinat wird informiert und wir wissen einmal mehr,  daß die  Nachrichtenagentur  XYZ auch eine gutgehende Entenfarm betreibt. 
Damit  war  in  kurzer  Zeit geklärt, was  sonst  das Fischkombinat und womöglich auch die Angehörigen der Hochseefischer einen ganzen langen Tag gequält hätte. Keine Heldentat, aber mit ‚gewußt wie' geholfen. Wofür unter damaligen  Umständen niemand etwas gezahlt  oder eingenommen hat.

 

An der heimatlichen Küste gelingt 1971  nach schwierigen und langwierigen Arbeiten die Inbetriebnahme der UKW-Küstenfunkstelle Wismar Radio. Damit wird das Gebiet  vor dem zweitgrößten  DDR-Hafen durch  eine eigene Küstenfunkstelle versorgt.

Durch die Erweiterung der Fahrtrelationen  unserer damals  ca. 600 Schiffe nahm der Kurzwellen-Sprechfunk  immer mehr an  Bedeutung zu. Rügen  Radio stellte sich darauf ein und ergriff Maßnahmen (u.a. Nutzung der Einseitenbandtelefonie), die das Telefonieren auch über weite  Entfernungen mit besserer Qualität als  bisher ermöglichten.

Aber:   Durch   die   sehr   geringe   Dichte  von    privaten Telefonanschlüssen in der DDR waren die Anforderungen auf diesem Gebiet an Rügen Radio  weitaus geringer als  z.B.  an  die Küstenfunkstellen  in  den   alten Bundesländern. Nur die wenigsten Seemannsfamilien hatten zu Hause Telefon. 
Also folgende  skurrile Situation:
  Rügen  Radio   konnte  wegen   der bekannten wirtschaftlichen Schwächen der DDR nicht soviel technische Kapazitäten bekommen, wie  zur  zeitgemäßen Versorgung einer  so  umfangreichen Flotte eigentlich erforderlich wären. Aber dieser Mangel wirkte sich im Kurzwellensprechfunk nicht so sehr auf die Zufriedenheit der Seemannsfamilien aus, denn die hatten zu Hause ohnehin meist kein  Telefon, auf dem der Seemann anrufen  konnte.

Prägte bisher ein umfangreicher "Antennenwald" aus vielen Masten  und Drähten  das Bild  der Funkempfangsstelle Glowe für die  Außenstehenden, so verringerte sich  dieser im Jahre 1972 ganz beträchtlich. 

Die  bisher verwendeten  Richt-Empfangsantennen waren etliche Jahre vorher für die damals befahrenen Seegebiete der Handels- und Fischereiflotte geplant und gebaut worden. Inzwischen wurden auch viele andere Gebiete befahren. Und eine ordentliche Küstenfunkstelle  muß auf allen  Seefunk Kurzwellen Frequenzen und in  alle Richtungen mit Richtantennen  "hören" können.

Ab 1972 wurde  ein   System  von acht V-Antennen   (je eine für  45   Grad Öffnungswinkel)  an  einem einzigen  Mast  eingesetzt. Das Prinzip  war in  der Funkempfangsstelle des ADN-Nachrichtendienstes (dort für eine Empfangsrichtung) aufgeschnappt,   mit   Hilfe   aufgeschlossener   Wissenschaftler   (die    auch "Bastellösungen" beratend unterstützten, da leistungsstarke Spezialantennen von renommierten Firmen wegen des ständigen Devisenmangels leider nicht zu bekommen waren)  durch den  Antennen-Instandhaltungstrupp der  Küstenfunkstelle gebaut.

Dieser "V-Stern" hat sich bis zum Ende des Kurzwellenverkehrs  von Rügen Radio gut  bewährt.  Neben den Vorteilen  durch die  stabilere Funkverbindung wurde dadurch  auch  der Aufwand  für die  Instandhaltung des  Antennenparks stark reduziert.

Das Jahr  1973 ist denkwürdig für die DDR  und ihre Bürger.  Die DDR wird politisch anerkannt, in die UNO aufgenommen, tritt dem Weltpostverein und dem Internationalen Fernmeldeverein bei (der u.a. die Vorschriften-Koordinierung für den  internationalen Seefunkdienst  wahrnimmt).

 

Das  bleibt  nicht   ohne Auswirkungen auf  die Arbeit  von Rügen Radio. Die  Küstenfunkstelle der  DDR beginnt auch für  die Reeder kapitalistischer Staaten zu "existieren". Für die Schiffe  der befreundeten Staaten  war Rügen  Radio auch vorher schon  ein geschätzter  Partner.
Rügen  Radios  vielfältige kostenlose Dienste  für die internationale   Schiffahrt,  wie  Wetterinformationen  und  Warnungen  des Seewetterdienstes Warnemünde, Eisberichte für das Gebiet der Ostsee vor der  DDR -Küste, wurden  vorher bereits  gern auch von den  Schiffen der nicht ganz so befreundeten Staaten in Anspruch genommen.

Nun "durfte" man auch Telegramm- und Gesprächsverkehr über   Rügen Radio  abwickeln. Attraktive   Gebühren, gute funkerische Leistungen tun  ein Übriges  - die  Zahl  der über Rügen Radio telefonierenden  und  telegrafierenden  ausländischen  Seefunkstellen  steigt deutlich an.  In Geld ausgedrückt: Die Erlöse aus diesem Funkverkehr steigen innerhalb eines Jahres (von 1973 bis 1974) um 50 Prozent an.

Der kalte Krieg in seinen    weltweit     sehr    unterschiedlichen    Erscheinungsformen   und wirtschaftspolitische  Entwicklungen  stellen  auch   das   Kollektiv   der Küstenfunkstelle immer wieder vor neue und anspruchsvollere Aufgaben.
 
Dafür soll folgendes Beispiel stehen:

Zur Zeit des Pinochet-Putsches in Chile 1973 befanden sich dort oder auf  dem Wege dorthin  die DDR-Schiffe  "Theodor  Fontane", "Radeberg" und "J.G.Fichte", beladen mit Solidaritätsgütern. Die Verbindung zu ihnen in  dieser komplizierten  Situation lief  über die  Küstenfunkstelle Rügen Radio.

Als  unsere  Hochseefischereiflotte  1977  Fanggebiete im   Südatlantik aufsuchen muß, gelingt es,  mit dem TVS "Junge Garde" am Standort Südgeorgien täglich zwei gute Datenübertragungsverbindungen herzustellen.Das war die größte bis dahin mittels Datenübertragung auf Kurzwelle überbrückte Entfernung.

Auch in gefährlichen Situationen, in die auch in  der heutigen Schiffahrt immer wieder einmal  einzelne   Schiffe   geraten,  bewährte   sich  das  Kollektiv  der Küstenfunkstelle Rügen Radio  mehrfach, indem es schnell  und zuverlässig die Nachrichten-Verbindung zwischen der  "Brücke" und den  Dienststellen an Land herstellte und, oft  unter komplizierten  Bedingungen,  bis zur  Rettung der Besatzung oder der Wiederherstellung der normalen Lage an Bord  aufrechterhielt.

Ende  der 70er Jahre  erhält die  DDR neue Rufzeichen für ihre Funkstellen Rufzeichenreihe  Y2A ...  Y9Z). Das war  konsequent, denn der Internationale Fernmeldevertrag legt fest, daß  die Staatszugehörigkeit  einer Funkstelle  aus ihrem Rufzeichen  (erstes und zweites Zeichen) erkennbar sein soll. Bis dahin aber waren die Funkstellen der  Bundesrepublik Deutschland und der DDR  so nicht unterscheidbar.  Rügen Radio  erhielt hiernach  das Rufzeichen Y5M. Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik kehrte Rügen Radio zum alten Rufzeichen DHS zurück.


Deutlich  in Erinnerung ist im Funkamt Rügen  Radio der Jahreswechsel 1978/79, als die  Insel Rügen über Nacht fast im  Schnee versank.  Durch den Ausfall   des Energie-Landesnetzes   und den  dadurch  erforderlichen  Dauer Netzersatzbetrieb kam es in der Funk Sendestelle Lohme zu einer kritischen Lage in der Treibstoffversorgung. Die  wenigen Männer in der Funkstelle, unterstützt durch  sowjetische Matrosen von  der  Garnison  Ranzow  und  Angehörige der Grenzbrigade Küste aus der Garnison Lohme bereiteten in finsterer Winternacht im tiefen Schnee einen Landeplatz vor  und Hubschrauber der Volksmarine flogen den Treibstoff in Fässern vom Dänholm  her ein. 

Da steht "Funkamt Rügen Radio", bisher war  von der  Küstenfunkstelle die  Rede  - wie  denn  nun das? Die Küstenfunkstelle bestand aus der Empfangsstelle in Glowe und der Sendestelle  in Lohme.   Am  Standort   Glowe   befanden  sich   außerdem   einige    zentrale Struktureinheiten wie Verwaltung und Antennentrupp und die Leitung des Funkamtes Rügen Radio.

Im Rahmen des Funkwesens  der DDR gab es acht Funkämter  und eine Betriebsschule in Königs Wusterhausen  (an der Wiege des deutschen Funkwesens).

Zum Funkamt Rügen Radio gehörte  die Küstenfunkstelle gleichen Namen und  (wegen der  geografischen Nähe)  die   Rundfunk-Sendestellen in Putbus auf  Rügen, Greifswald und Demmin. Heute könnte man vom "Funkamt Vorpommern" sprechen, denn als Grenze zum  westlich  anschließenden Funkamt  Schwerin  war die Recknitz festgelegt, die auch die Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern bildet. 

Das Funkamt  Nauen  z.B. war  zuständig  für  das   Aussenden   des Kurzwellen -Auslandsrundfunks und  (solange es das noch gab) Kurzwellen-Telegrafie- und  -Telefonie-Verbindungen zum fernen Ausland. Die übrigen Funkämter  (Schwerin, Leipzig, Dresden ...) strahlten mit einer Vielzahl von Sendestellen die  Fernseh - und Rundfunk-Sendungen des staatlichen Rundfunks  und Fernsehens  der DDR in ihren jeweiligen Versorgungsgebieten ab. 

Zum Funkamt Rügen Radio  gehörten Ende er 80er Jahre ca 200 Mitarbeiter, davon ca. 100 in der Funkempfangsstelle Glowe, 40 in der Sendestelle Lohme, die übrigen in den zentralen Struktureinheiten  des Funkamtes  und in den  Rundfunk-Sendestellen Greifswald,  Putbus  und Demmin.

Übrigens gab es zwischen der Tatsache,
 - daß das Funkamt Rügen Radio  Seefunk, die übrigen Funkämter aber Rundfunk und Fernsehen machten einerseits und
 - daß der Sendestelle Lohme Dieselkraftstoff mit Hubschraubern gebracht werden  mußte, andererseits   durchaus  einen  Zusammenhang. 

Wie  bekannt,   reichte   die Leistungsfähigkeit  der DDR-Wirtschaft  nie für  alles Notwendige  aus. Bei  der Aufteilung, was in  welchem Funkamt gemacht  (investiert, repariert ...) werden konnte, spielte eine  große Rolle, welche  Lobby dieses Funkamt  hatte. Rundfunk und Fernsehen  waren  Waffe   im  Klassenkampf  und  hatten  als  Lobby das Zentralkomitee der SED. Der Seefunk  hatte als Lobby die Reedereien  der Handels -  und Fischereiflotte. Gute  Partner,  die an  die Küstenfunkstelle hohe  und berechtigte Forderungen stellten  und mit denen  die Zusammenarbeit meist  recht effektiv war. Aber ihr Einfluß auf  die Verteilung  der Mittel und Kapazitäten war, verglichen  mit dem Zentralkomitee der SED bzw. seinen für Agitation und Propaganda zuständigen Organen, eher sehr gering.

Als ca. 1976 die Dieseltanks in der Sendestelle Lohme aus Umweltschutzgründen  (vorsorglich, noch war  keine akute Gefahr) gesperrt wurden  und ein Neubau fällig  gewesen wäre, war dafür keine  Baukapazität vorhanden. Die 10.000 l  Dieselkraftstoff, die für  eine eventuell noch mögliche technische Prüfung zur Verlängerung der Genehmigung  zur Jahreswende 1978/79  noch in den  Tanks waren,  halfen über die ersten Tage Netzausfall hinweg. Dann aber mußten  wir melden.  "Morgen Vormittag ist der Diesel alle." Und dann kamen die Hubschrauber. Deren Einsatz viel teurer war als der  nicht erfolgte Neubau.


Eine  besonders anspruchsvolle und interessante Aufgabe erhielt Rügen Radio in den letzten Jahren der DDR, als in der  Antarktis die Forschungsstation "Georg Forster" eingerichtet wurde.

Dabei wurde die  kluge und richtige Entscheidung getroffen, daß  für die Funkverbindung mit der "Georg Forster"  nicht   gesondert organisiert  wurde  (das  hätte  eine  gesonderte Funkstation mit allem  dazu gehörenden Aufwand irgendwo auf dem Gebiet der DDR erfordert), sondern daß die "Georg Forster" wie ein Schiff am Seefunkdienst  der DDR teilnimmt, also über Rügen Radio mit versorgt wird.

Das hat dann trotz aller Schwierigkeiten durch die große Entfernung und die Bedingungen in der Antarktis dort herrscht extrem häufig Schneesturm und die herumfliegenden  Schneekristalle laden die Empfangsantenne elektrisch so auf,  daß der Funker dort nichts mehr hört) bis  zur Schließung  der Station mit Ende der DDR  ganz gut geklappt.


Im Rahmen dessen, was in der DDR möglich und üblich war, wurde auf sozialem Gebiet relativ gut  für die  Mitarbeiter des  Funkamtes gesorgt. Davon  zeugte die Wohnsiedlung am Ortseingang von  Glowe mit Konsum-Verkaufsstelle, Werkküche und Ledigenwohnheim.

Das  Funkamt verfügte  über 102  werkseigene und werksgebundene Wohnungen. Davon konnten 1983/84 zwanzig Wohnungen im nächstgelegenen  größeren Ort Sagard bezogen werden. 

Die Werkküche, bekannt durch  ihr wohlschmeckendes Essen, produzierte  davon täglich  210 Portionen  für die  Mitarbeiter   der Funkstellen Glowe  und Lohme sowie für  viele Veteranen des Funkamtes  und die Kinder  von Betriebsangehörigen.  Außerdem gab  es in den letzten  Jahren eine Schicht- und  Wochenendversorgung. 13 Mitarbeiter erhielten  insgesamt 116 000 Mark Zuschüsse zum Eigenheimbau.

 

Hier endet,  was bis 1989  über die Geschichte der Küstenfunkstelle Rügen Radio zu berichten war.
Wie ging es weiter? -

 

Der Herbst 1989 brachte die Wende  in der  DDR.
Am 3. Oktober 1990 erfolgte  der Beitritt  der DDR  zur Bundesrepublik Deutschland.

Damit entstand,  was den Küstenfunkdienst anging, folgende Situation:  In den alten Bundesländern gab es die sehr  gut ausgerüsteten Küstenfunkstellen Norddeich  Radio, Kiel Radio und Elbe-Weser Radio, die  zur Deutschen Bundespost, später zur davon abgetrennten Deutschen Telekom gehörten. Die  Deutsche Telekom war ungleich leistungsfähiger als die Deutsche  Post der DDR.

Kiel Radio und Elbe-Weser Radio arbeiteten  im Nahebereich, d.h. mit Schiffen in der Nord- und Ostsee. Norddeich Radio wickelte außer im Nahbereich auch   Kurzwellen-Weitverkehr  mit Schiffen auf  allen Weltmeeren ab.  In  den neuen Bundesländern  gab es die UKW-Küstenfunkstelle Rostock Radio mit der von dort  fernbedienten Station Wismar Radio und die (wie Norddeich Radio) weltweit operierende  Küstenfunkstelle Rügen Radio.

Jedoch war die Ausrüstung von Rügen Radio wegen der bekannt wirtschaftlichen Probleme  der DDR, vor allem wegen  des permanenten Devisenmangels, wesentlich schlechter als die von Norddeich Radio. Die einfallsreichen und fleißigen Mitarbeiter von Rügen Radio hatten zwar auf  vielfältige Weise die vorhandene Technik immer  wieder verbessert und auch manches selbst gebaut, aber diese Anstrengungen  konnten nicht  wettmachen, was  eine  leistungsfähige  Industrie für  das   Geld der wirtschaftlich starken  Telekom  an  die  Küstenfunkstellen   in den  alten Bundesländern geliefert hatte.

Hinzu kam, daß die Küstenfunkstellen in den alten Bundesländern nicht mehr voll ausgelastet  waren, weil ein zunehmender Teil  des Funkverkehrs im  küstennahen Bereich über die Mobilfunknetze abgewickelt wurde ein ebenfalls  zunehmender Teil  des Funkverkehrs  mit fernen Schiffen über die Satellitenverbindungen lief und immer weniger deutsche Besatzungsmitglieder  zur See   fuhren  und  damit  auch   der   private   Funkverkehr   über  deutsche Küstenfunkstellen zurückging.

Deshalb lag  es leider nahe, den Weitverkehr (auf Kurzwelle) allein bei Norddeich Radio zu konzentrieren. Rügen Radio stellte  den Weitverkehr ein. Die Funkempfangsstelle  Glowe wurde zwar noch einmal technisch neu ausgestattet und übernahm sogar für wenige Jahre den gesamten deutschen  UKW -Küstenfunkdienst in der Ostsee, während Kiel Radio geschlossen wurde.

Weil der Küstenfunkverkehr aber immer weiter zurückging, auch die Dienste auf Mittel- und Grenzwelle sich nicht  mehr  lohnten und für  die  Sicherheit  der Schiffahrt entbehrlich wurden,  stellte 1998  Rügen Radio  den Küstenfunkdienst vollständig ein.

Der  UKW-Küstenfunkdienst wurde  vorerst bei Norddeich Radio konzentriert. Ergänzend sei  bemerkt, daß  inzwischen auch Norddeich Radio  abgeschaltet ist.
 

Text.: Georg Fiege, Glowe im Januar 2001
 (ehem. Amtsleiter RR)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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